Die Anforderungen an das ESG-Reporting wachsen und konvergieren weltweit. Für das Finanzteam ist dies eine Chance, seine Rolle neu zu definieren und zum strategischen Partner im Unternehmen zu werden.
Der Monatsabschluss ist ein bekannter Prozess. Die Zahlen aus dem ERP-System werden exportiert, in Excel aufbereitet und zu wiederkehrenden Berichten verdichtet. Nun kommt eine neue Anforderung hinzu: das Reporting von Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG). Dies ist nicht nur eine weitere regulatorische Aufgabe. Die sich wandelnde Rolle des Finanzteams im ESG Reporting stellt eine strategische Weiche. Die Verantwortung für nicht-finanzielle Daten bietet die Möglichkeit, die Finanzabteilung als zentralen Treiber für nachhaltige Wertschöpfung zu positionieren.
Dieser Wandel wird durch eine globale Entwicklung beschleunigt. Die Offenlegung von ESG-Informationen wird weltweit zur Norm. Eine Studie aus dem Jahr 2024, die 22 Rechtsordnungen untersuchte, zeigt eine klare Konvergenz der Berichtsstandards (Delgado Sanchez 2024). Für Schweizer KMU bedeutet dies, dass das Thema an Relevanz gewinnt, unabhängig von der direkten gesetzlichen Pflicht. Kunden, Investoren und Partner erwarten zunehmend transparente Informationen über die Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens.
Die globale Konvergenz der ESG-Standards
Die erwähnte Studie zeigt, dass die Verbreitung von ESG-Offenlegungen zwischen 2019 und 2024 von durchschnittlich 89.2 % auf 97.1 % gestiegen ist (Delgado Sanchez 2024). Die Sättigung ist also beinahe erreicht. Gleichzeitig hat die Abweichung zwischen den verschiedenen Ländern stark abgenommen. Die Standardabweichung sank im selben Zeitraum von 14.4 auf 6.19 Prozentpunkte. Dies deutet auf eine starke Angleichung der Erwartungen und Praktiken hin.
Die Untersuchung fand zudem deutliche Belege für einen «Aufholeffekt». Insbesondere die Nutzung etablierter Rahmenwerke wie der Global Reporting Initiative (GRI) und der Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen hat stark zugenommen (Delgado Sanchez 2024). Für Finanzteams bedeutet diese Konvergenz eine doppelte Botschaft. Einerseits wird die Komplexität durch die Vereinheitlichung langfristig abnehmen. Andererseits steigt der kurzfristige Druck, robuste und vergleichbare Prozesse für die Datenerfassung aufzubauen. Es genügt nicht mehr, nur einzelne, unverknüpfte Datenpunkte zu sammeln.
Mehr als nur Compliance: ESG als Werttreiber
Die Motivation für das ESG-Reporting sollte nicht allein in der Erfüllung von Vorschriften liegen. Zunehmend wird der Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeitsleistung und finanziellem Erfolg wissenschaftlich belegt. Eine Studie aus dem Jahr 2025 fand heraus, dass «Green Accounting» einen positiven und statistisch signifikanten Einfluss auf die finanzielle Leistungsfähigkeit von Unternehmen hat (Jurnal Literasi Akuntansi 2025). Die finanzielle Leistung wurde dabei anhand der Gesamtkapitalrendite (Return on Assets, ROA) gemessen, einer Kennzahl, die im Finanzwesen fest verankert ist.
Die Analyse zeigt auch die Komplexität des Zusammenhangs. Während nicht jede einzelne Nachhaltigkeitsvariable für sich allein eine messbare Auswirkung zeigte, war der gemeinsame Effekt aller Variablen signifikant (Jurnal Literasi Akuntansi 2025). Dies unterstreicht die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Ansatzes. Das Finanzteam ist durch seine Expertise in der Analyse von Finanzkennzahlen wie dem ROA prädestiniert, auch die Treiber der nicht-finanziellen Wertschöpfung zu verstehen und zu steuern. Es kann die Brücke zwischen Nachhaltigkeitsinitiativen und deren Auswirkung auf das Unternehmensergebnis schlagen.
Die Datenhoheit gehört ins Finanzteam
Eine zentrale Frage bei der Einführung des ESG-Reportings ist die der Verantwortung. Wo im Unternehmen sollen die Daten gesammelt, validiert und aufbereitet werden? Oft wird diese Aufgabe in Kommunikations- oder speziellen Nachhaltigkeitsabteilungen angesiedelt. Es gibt jedoch gute Gründe, die Datenhoheit im Finanzteam zu verankern. Finanzabteilungen verfügen über die notwendige Disziplin und etablierte Prozesse für den Umgang mit sensiblen und prüfungsrelevanten Informationen.
ESG-Daten müssen denselben Qualitätsansprüchen genügen wie Finanzdaten. Sie müssen korrekt, konsistent, nachvollziehbar und prüfbar sein. Das Finanzteam ist es gewohnt, die Integrität der gesamten Kette sicherzustellen – vom einzelnen Beleg aus dem ERP-System bis zur finalen Zahl in der Bilanz oder Erfolgsrechnung. Dieselbe Sorgfalt ist bei der Erfassung von CO2-Emissionen, Wasserverbrauch oder Mitarbeiterdaten erforderlich. Wird diese Verantwortung im Finanzteam gebündelt, können Synergien genutzt und die Datenqualität von Anfang an auf einem hohen Niveau sichergestellt werden.
Digitalisierung als Schlüssel zur Qualitätssicherung
Die Verwaltung von ESG-Daten stellt eine erhebliche Herausforderung dar. Die Informationen stammen aus unterschiedlichsten Quellen: Verbrauchsdaten aus der Produktion, Personalkennzahlen aus dem HR-System, Angaben von Lieferanten. Diese manuell in Excel-Listen zusammenzuführen, ist fehleranfällig und nicht skalierbar. Hier kommt die Digitalisierung ins Spiel. Eine Studie aus dem Jahr 2024 belegt, dass die digitale Transformation einen positiven und statistisch signifikanten Effekt auf die Qualität der Rechnungslegungsinformationen hat (Accounting, Finance and Computational Intelligence 2024).
Die Digitalisierung verbessert die Qualität der Informationen, indem sie die Transparenz erhöht, Informationsasymmetrien reduziert und opportunistisches Verhalten von Managern einschränkt (Accounting, Finance and Computational Intelligence 2024). Diese Erkenntnisse lassen sich direkt auf das ESG-Datenmanagement übertragen. Automatisierte Prozesse für die Sammlung, Aufbereitung und Konsolidierung von ESG-Daten reduzieren manuelle Fehler und schaffen eine transparente, nachvollziehbare Grundlage. Die Automatisierung der Excel-Schicht, die oft zwischen den Datenquellen und dem finalen Bericht liegt, ist ein entscheidender Schritt zur Sicherstellung der Datenqualität und Effizienz.
Praktische Schritte für Ihr Finanzteam
Die Übernahme der Verantwortung für das ESG-Reporting ist ein Prozess. Die folgenden Schritte können Ihrem Finanzteam helfen, diesen Wandel aktiv zu gestalten:
- Bestandsaufnahme durchführen: Identifizieren Sie, welche ESG-relevanten Daten bereits heute im Unternehmen erfasst werden. Oft existieren diese Daten in verschiedenen Abteilungen und Systemen, zum Beispiel in Form von Energierechnungen, Abfallstatistiken oder Personaldaten. Schaffen Sie einen Überblick über Quellen, Formate und Verantwortlichkeiten.
- Verantwortung klären: Beginnen Sie die interne Diskussion über die Datenhoheit. Argumentieren Sie mit der Notwendigkeit von Prüfbarkeit, Konsistenz und Datenqualität – Kernkompetenzen des Finanzteams. Positionieren Sie die Finanzabteilung als logischen Partner für das Management dieser strategischen Informationen.
- Einen einfachen Prozess entwerfen: Fangen Sie klein an. Wählen Sie zwei bis drei wesentliche Kennzahlen aus, zum Beispiel den CO2-Ausstoss aus dem Energieverbrauch (Scope 2) oder die Mitarbeiterfluktuation. Bilden Sie den Datenfluss für diese Kennzahlen mit bestehenden Werkzeugen wie Excel ab. Das Ziel ist ein wiederholbarer und dokumentierter Prozess.
- Die Kette dokumentieren: Dokumentieren Sie den Weg jeder Kennzahl von der ursprünglichen Datenquelle bis zur finalen Zahl im Bericht. Diese Dokumentation ist die Grundlage für die spätere Automatisierung und für externe Prüfungen. Sie schafft Vertrauen in die berichteten Zahlen.
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Quellen
- Accounting, Finance and Computational Intelligence (2024) Digital Transformation and Accounting Information Quality: The Moderating Role of Environmental Uncertainty — Accounting, Finance and Computational Intelligence, doi.org
- Delgado Sanchez (2024) Convergencia global en la divulgación ESG y evolución de los marcos de reporte: evidencia de 22 jurisdicciones, 2019–2024 — Mundo FESC, doi.org
- Jurnal Literasi Akuntansi (2025) Prinsip Keberlanjutan dan Instrumen Karakteristik Perusahaan terhadap Kinerja Keuangan pada Sektor Farmasi di Indonesia — Jurnal Literasi Akuntansi, doi.org

