Die Anforderungen an das ESG-Reporting erreichen nun auch Schweizer KMU. Grosse Kunden geben den Druck aus internationalen Standards an ihre Lieferketten weiter.
Anfragen von Kunden gehören zum Geschäftsalltag. Zunehmend enthalten diese Anfragen jedoch neue Forderungen. Kunden verlangen Kennzahlen zu Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen, oft unter dem Kürzel «ESG». Diese Entwicklung ist für viele Schweizer KMU neu. Die Anfragen sind kein Zufall. Sie sind das Resultat eines globalen Trends, der zunehmend die Lieferkette erfasst. Das ESG Reporting für KMU in der Schweiz wird von einer freiwilligen Übung zu einer Voraussetzung, um wichtige Kunden zu behalten.
Globale Standards gleichen sich an
Die wachsende Bedeutung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Informationen hat zur Einführung verschiedener Rahmenwerke für die Berichterstattung geführt (Delgado Sanchez 2027). Für Grossunternehmen ist die ESG-Berichterstattung bereits seit Jahren ein zentrales Thema. Sie berichten nach etablierten Standards und lassen ihre Zahlen prüfen. Lange Zeit existierten viele verschiedene Standards nebeneinander. Dies machte den Vergleich zwischen Unternehmen und Regionen schwierig.
Diese Situation ändert sich. Eine aktuelle Studie, die 22 Rechtsordnungen zwischen 2019 und 2024 analysierte, zeigt eine deutliche Annäherung der globalen ESG-Offenlegung (Delgado Sanchez 2027). Die durchschnittliche Offenlegungsrate stieg in diesem Zeitraum von 89.2 % auf 97.1 %. Dies deutet auf eine Sättigung hin. Gleichzeitig sank die Standardabweichung der Offenlegung zwischen den untersuchten Ländern von 14.4 auf 6.19 Prozentpunkte. Die Rahmenwerke werden also ähnlicher angewendet.
Die Analyse belegt einen starken «Aufholeffekt» bei der ESG-Offenlegung insgesamt. Dies gilt auch für die Verwendung der weitverbreiteten GRI- und SDG-Rahmenwerke (Delgado Sanchez 2027). Für international tätige Konzerne kann diese Konvergenz eine Vereinfachung bedeuten. Sie können standardisierte Datenabfragen an ihre Lieferanten weltweit senden. Die Vergleichbarkeit der Daten erhöht sich. Der administrative Aufwand für die Konsolidierung sinkt.
Der Druck fliesst die Lieferkette hinab
Ein Schweizer KMU ist oft Teil einer langen Wertschöpfungskette. Am Ende dieser Kette steht häufig ein börsenkotierter Konzern. Dieser Konzern unterliegt regulatorischen Pflichten zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Ein wesentlicher Teil dieser Pflichten betrifft die Lieferkette, die sogenannten «Scope 3»-Emissionen. Um über die eigene Lieferkette berichten zu können, muss der Konzern Daten von seinen Lieferanten erheben.
Die Anfrage nach ESG-Daten ist für den Kunden daher oft eine Notwendigkeit. Er muss seine eigenen Berichtspflichten erfüllen. Weigert sich ein Lieferant, die geforderten Daten zu liefern, oder kann er es nicht, stellt dies für den Kunden ein Problem dar. Er kann seine eigene Berichterstattung nicht vervollständigen. Langfristig wird er Lieferanten bevorzugen, die ihm verlässliche und prüfbare ESG-Daten liefern können. Für das KMU wird die Fähigkeit zum ESG-Reporting so zu einem Faktor der Wettbewerbsfähigkeit.
Welche Daten werden konkret verlangt?
Die Abkürzung ESG kann abstrakt wirken. In der Praxis geht es um konkrete, messbare Grössen, die in vielen Unternehmen bereits erfasst werden – nur nicht systematisch. Die Herausforderung liegt darin, diese Daten zu sammeln, aufzubereiten und in einem geforderten Format bereitzustellen.
Im Bereich Umwelt (Environment) geht es oft um Verbrauchsdaten. Beispiele sind der Strom- und Wasserverbrauch, die Menge des erzeugten Abfalls oder der Treibstoffverbrauch des Fuhrparks. Diese Zahlen finden sich auf Rechnungen von Energieversorgern oder in den Unterlagen der Buchhaltung. Die Aufgabe besteht darin, sie aus verschiedenen Quellen zu extrahieren und zu konsolidieren.
Der Bereich Soziales (Social) umfasst Kennzahlen zum Personal. Dazu gehören die Fluktuationsrate, die Anzahl der Weiterbildungsstunden pro Mitarbeiter, die Unfallrate am Arbeitsplatz oder Kennzahlen zur Geschlechterverteilung auf verschiedenen Hierarchiestufen. Diese Daten sind typischerweise in der Personalabteilung vorhanden, oft aber nicht als Zeitreihe für ein Reporting aufbereitet.
Die Unternehmensführung (Governance) betrifft interne Regeln und Prozesse. Beispiele sind das Vorhandensein einer Antikorruptionsrichtlinie, Massnahmen zum Datenschutz oder ein dokumentierter Risikomanagementprozess. Hier geht es weniger um quantitative Zahlen als um den Nachweis, dass entsprechende Strukturen und Richtlinien existieren und gelebt werden.
Datenqualität als Fundament des Reportings
Die blosse Existenz der Daten reicht nicht aus. Die Qualität und Verlässlichkeit der Informationen sind entscheidend. Eine manuelle Sammlung von Zahlen aus verschiedenen Excel-Listen und PDF-Rechnungen ist fehleranfällig und zeitintensiv. Wenn ein Kunde oder ein Auditor Nachfragen stellt, muss die Herkunft der Zahlen nachvollziehbar sein. Die Kette vom ERP-Export bis zur finalen Kennzahl sollte stimmig sein.
Die Digitalisierung spielt hier eine zentrale Rolle. Eine Studie zeigt, dass die digitale Transformation die Qualität von Buchhaltungsinformationen verbessert, indem sie die Transparenz erhöht und Informationsasymmetrien reduziert (Accounting, Finance and Computational Intelligence 2024). Was für Finanzdaten gilt, trifft auch auf ESG-Daten zu. Ein strukturierter, digitaler Prozess zur Datenerfassung und -verarbeitung ist eine wichtige Grundlage für ein glaubwürdiges Reporting. Die Studie fand zudem Hinweise, dass die Digitalisierung besonders unter unsicheren Geschäftsbedingungen wichtig ist, um die Datenqualität aufrechtzuerhalten (Accounting, Finance and Computational Intelligence 2024).
Erste Schritte für Ihr Finanzteam
Die Vorbereitung auf ESG-Anfragen muss nicht kompliziert sein. Sie können bereits heute mit internen Abklärungen beginnen, um auf zukünftige Anforderungen vorbereitet zu sein. Die Verantwortung für die Koordination liegt oft im Finanzbereich, da dieser Erfahrung mit der Sammlung, Validierung und Berichterstattung von Daten hat.
- Führen Sie eine Bestandsaufnahme durch. Identifizieren Sie Ihre wichtigsten Kunden. Prüfen Sie, ob diese selbst berichtspflichtig sind. Sehen Sie bestehende Verträge und Lieferbedingungen auf Klauseln zu Nachhaltigkeit oder Datenaustausch durch.
- Erstellen Sie eine Dateninventur. Klären Sie, welche der typischen ESG-Daten (z. B. Energieverbrauch, Personalfluktuation) im Unternehmen bereits erfasst werden. Finden Sie heraus, wo diese Daten liegen, in welchem Format und wer dafür verantwortlich ist.
- Bestimmen Sie eine zentrale Verantwortung. Benennen Sie eine Person oder eine kleine Arbeitsgruppe, die für das Thema ESG-Reporting zuständig ist. Diese Stelle sammelt das Wissen und dient als Ansprechpartner für Anfragen von innen und aussen.
- Analysieren Sie die Lücken. Vergleichen Sie die vorhandenen Daten mit den Anforderungen eines einfachen Rahmenwerks. So erkennen Sie, welche Informationen noch fehlen und welche Prozesse zur Datenerfassung aufgebaut werden müssen.
Excel ist eine eingetragene Marke der Microsoft Corporation.
Welche Ihrer Routinen sich zum Automatisieren lohnt, beziffern wir vorab – in Ihren eigenen Stunden. Potenzialanalyse →
Quellen
- Accounting, Finance and Computational Intelligence (2024) Digital Transformation and Accounting Information Quality: The Moderating Role of Environmental Uncertainty — Accounting, Finance and Computational Intelligence, doi.org
- Delgado Sanchez (2027) Convergencia global en la divulgación ESG y evolución de los marcos de reporte: evidencia de 22 jurisdicciones, 2019–2024 — Mundo FESC, doi.org

