Viele Finanzteams möchten Prozesse automatisieren, benötigen aber eine solide Entscheidungsgrundlage. Dieser Artikel zeigt Schritt für Schritt, wie Controller eine Kosten-Nutzen-Analyse für Excel-Prozesse erstellen.
Der Druck zur Automatisierung im Finanzbereich wächst. Viele Finanzteams in KMU möchten ihre Prozesse modernisieren, um effizienter zu arbeiten. Oft fehlt jedoch eine klare Entscheidungsgrundlage, um ein solches Vorhaben intern zu rechtfertigen. Eine fundierte Kosten-Nutzen-Analyse, um einen Excel-Prozess in Ihrem KMU zu automatisieren, ist der entscheidende erste Schritt. Sie schafft Transparenz für eine unternehmerische Entscheidung. Eine Studie von KPMG zeigt, dass 53 Prozent der Unternehmen Künstliche Intelligenz im Rechnungswesen bereits nutzen oder die Einführung vorbereiten (KPMG 2025a). Dieser Leitfaden bietet eine strukturierte Vorgehensweise für Controller.
Die Kosten richtig erfassen
Die Gesamtkosten einer Automatisierung gehen über den Kaufpreis einer Software hinaus. Eine vollständige Betrachtung ist notwendig, um die Investition korrekt zu bewerten. Die Kosten lassen sich in direkte, indirekte und laufende Kosten unterteilen. Eine sorgfältige Schätzung trägt dazu bei, unerwartete Ausgaben zu vermeiden.
Direkte Kosten sind meist klar ersichtlich. Dazu gehören einmalige Lizenzgebühren für Software oder Honorare für externe Implementierungspartner. Detaillierte Angebote bilden die Basis Ihrer Investitionsrechnung.
Indirekte Kosten werden häufig unterschätzt. Dies umfasst den internen Zeitaufwand für Projektleitung, Anforderungsdefinition, Tests und Dokumentation. Schätzen Sie die Stunden Ihrer Mitarbeitenden für das Projekt. Multiplizieren Sie diese mit einem internen Stundensatz, um die indirekten Kosten zu monetarisieren. Dieser Schritt ist entscheidend für eine realistische Planung.
Laufende Kosten müssen ebenfalls von Beginn an berücksichtigt werden. Dazu zählen jährliche Wartungs- und Supportverträge. Planen Sie auch Ressourcen für künftige Anpassungen ein, die durch technologische oder regulatorische Änderungen notwendig werden können. Diese wiederkehrenden Ausgaben fliessen in die Berechnung der Gesamtkosten über die Nutzungsdauer ein.
Den Nutzen quantifizieren – über die Zeitersparnis hinaus
Der Nutzen einer Prozessautomatisierung ist vielschichtig. Die Quantifizierung ist der Schlüssel, um den Wert der Investition aufzuzeigen. Der offensichtlichste Nutzen ist die eingesparte Arbeitszeit. Laut einer KPMG-Studie beobachten 37 Prozent der Unternehmen, die KI einsetzen, unmittelbar eine deutliche Zeitersparnis bei transaktionalen Prozessen (KPMG 2025a). Diesen Effekt können Sie für Ihre Analyse berechnen.
Um die Zeitersparnis zu messen, identifizieren Sie einen wiederkehrenden, manuellen Prozess. Bitten Sie den zuständigen Mitarbeitenden, den Zeitaufwand über einen Monat zu protokollieren. Multiplizieren Sie die eingesparten Stunden mit dem internen Stundensatz. Das Ergebnis ist ein direkter, monetärer Nutzen für Ihre Analyse.
Ein weiterer wesentlicher Nutzen ist die Steigerung der Datenqualität. Manuelle Prozesse sind fehleranfällig. Ein Tippfehler kann die Aussagekraft eines Berichts beeinträchtigen. Automatisierte Prozesse führen Aufgaben wiederholbar auf die gleiche, vordefinierte Weise aus. Dies kann eine ganze Klasse von Fehlern vermeiden und erhöht die Verlässlichkeit der Finanzdaten. Dieser qualitative Vorteil ist für das Management oft überzeugend.
Berücksichtigen Sie auch weichere Faktoren. Schnellere Abschlüsse ermöglichen der Geschäftsleitung, früher auf Informationen zuzugreifen. Die Automatisierung monotoner Aufgaben kann die Mitarbeiterzufriedenheit erhöhen. Controller können ihre Zeit für anspruchsvollere Tätigkeiten wie Analysen nutzen. Diese qualitativen Vorteile stärken die Argumentation.
Die Amortisationsrechnung als Entscheidungsgrundlage
Die Amortisationsrechnung beurteilt die Wirtschaftlichkeit einer Investition. Sie zeigt auf, nach welcher Zeit die Einsparungen die ursprünglichen Kosten voraussichtlich decken. Es gibt verschiedene Methoden, die je nach Komplexität des Vorhabens geeignet sind.
Die statische Amortisationsdauer ist die einfachste Methode. Sie wird berechnet, indem die Investitionskosten durch die jährlichen Einsparungen geteilt werden. Das Ergebnis ist die Anzahl der Jahre, bis die Investition sich refinanziert hat. Die Methode ist einfach zu kommunizieren, ignoriert aber den Zeitwert des Geldes.
Eine präzisere Betrachtung bietet die dynamische Amortisationsrechnung. Diese Methode bezieht den Zeitwert des Geldes mit ein. Zukünftige Einsparungen werden mit einem Kalkulationszinssatz auf ihren heutigen Wert abgezinst (projektmagazin 2018). Die Berechnung ist komplexer, liefert aber eine fundiertere Entscheidungsgrundlage, insbesondere bei grösseren Investitionen.
Die Wahl der Methode hängt von den Standards in Ihrem Unternehmen ab. Für ein erstes, überschaubares Projekt ist die statische Berechnung oft ausreichend. Sie liefert eine klare Kennzahl, um eine Diskussion mit dem Management zu beginnen. Wichtig ist, die Berechnung transparent darzustellen.
Den Business Case für das Management präsentieren
Eine saubere Analyse ist die Basis. Die überzeugende Präsentation der Ergebnisse ist ebenso wichtig. Das Ziel ist, dem Management eine klare Grundlage für eine Entscheidung zu liefern. Konzentrieren Sie sich auf Fakten und leiten Sie eine klare Empfehlung ab.
Strukturieren Sie Ihre Argumentation logisch. Beginnen Sie mit der Beschreibung des Problems: der Prozess, der Aufwand, die Schwachstellen. Stellen Sie die Lösung vor. Führen Sie danach die detaillierten Kosten und den erwarteten Nutzen auf. Schliessen Sie mit der Amortisationsrechnung und Ihrer Empfehlung.
- Der zu automatisierende Prozess und seine Schwachstellen.
- Die geschätzten einmaligen und laufenden Kosten.
- Der quantifizierbare Nutzen, primär die monetarisierte Zeitersparnis.
- Die qualitativen Vorteile wie Fehlerreduktion und schnellere Berichte.
- Die berechnete Amortisationszeit als zentrale Kennzahl.
Präsentieren Sie die Fakten nüchtern und professionell. Die Zahlen Ihrer Analyse sollten für sich selbst sprechen. Ein gut dokumentierter Business Case zeigt, dass Sie das Vorhaben sorgfältig geprüft haben. Er schafft Vertrauen und erhöht die Wahrscheinlichkeit einer positiven Entscheidung.
Was Sie diesen Monat tun können
Eine vollständige Kosten-Nutzen-Analyse ist ein eigenes Projekt. Sie können jedoch mit kleinen, konkreten Schritten beginnen, um die Grundlage für Ihre Analyse zu schaffen.
Erstens: Identifizieren Sie einen geeigneten Kandidaten für eine erste Automatisierung. Suchen Sie einen Prozess, der klar abgegrenzt, repetitiv und regelbasiert ist. Ein gutes Beispiel ist die Konsolidierung von Excel-Dateien für einen Monatsbericht. Wählen Sie bewusst einen Prozess mit überschaubarer Komplexität.
Zweitens: Messen Sie den Zeitaufwand für diesen Prozess. Bitten Sie die verantwortliche Person, für den nächsten Monatsabschluss ein einfaches Protokoll zu führen. Diese eine Zahl ist der stärkste Hebel für die Nutzen-Seite Ihrer Analyse.
Drittens: Dokumentieren Sie die einzelnen Prozessschritte. Halten Sie fest, welche Datenquellen genutzt werden, welche Transformationen stattfinden und wie das Endergebnis aussieht. Diese Dokumentation schafft Klarheit und ist eine wichtige Voraussetzung für ein Automatisierungsprojekt.
Microsoft und Excel sind eingetragene Marken der Microsoft Corporation.
Welche Ihrer Routinen sich zum Automatisieren lohnt, beziffern wir vorab – in Ihren eigenen Stunden. Potenzialanalyse →
Quellen
- KPMG (2025a) Künstliche Intelligenz beschleunigt digitale Transformation im Rechnungswesen, KPMG
- KPMG (2025a) Digitalisierung im Rechnungswesen 2025/2026, KPMG International
- projektmagazin (2018) Amortisationsdauer, projektmagazin

