Ein Bericht, den jeden Monat dieselben neun Personen lesen, ist ein anderer Gegenstand als ein Datenmodell, an dem ein Dutzend Leute selber dreht. Was die beiden Wege wirklich trennt: die Lizenz fürs Lesen, die Aufbewahrung über zehn Jahre und der Unterhalt beim nächsten Kontenplan.
Es ist der siebte Arbeitstag im Monat. Der Abschluss steht, die Zahlen sind geprüft, und es fehlt noch das Berichtswesen: dieselben zwölf Seiten wie im Vormonat, an dieselben neun Personen – Geschäftsleitung, Verwaltungsrat, Bank, Treuhand. Irgendwann fällt der Satz, man solle das «endlich in Power BI machen». Der Vorschlag ist nicht falsch. Er beantwortet nur eine andere Frage als die, die auf dem Tisch liegt.
Ein Bericht ist ein Dokument, ein Modell ist eine Plattform
Die Frage lautet nicht, welches Werkzeug besser ist, sondern wofür der Bericht da ist. Etwas, das jeden Monat dieselben acht bis zwölf Personen lesen, das immer gleich aussieht und zehn Jahre auffindbar bleiben muss, ist ein Dokument. Ein Datenmodell, an dem ein Dutzend Leute selber dreht und filtert, ist eine Plattform. Microsoft beschreibt den Zweck des eigenen Dienstes genau so: Die Inhalte sind nicht statisch, man zerlegt sie und stellt Fragen in eigenen Worten (Microsoft 2025a). In vielen Finanzabteilungen lautet die Aufgabe anders: Neun Personen sollen dieselbe Seite lesen, und niemand soll etwas drehen.
Verglichen wird ohnehin selten mit einem leeren Blatt, sondern mit der Arbeitsmappe, die es schon gibt. Über deren Fehlerquote ist sich die Forschung uneins: Panko fand in 85 Prüfungen genutzter Tabellen in 94 Prozent Fehler (Panko 2015); ein Team um Powell hielt das für nicht belastbar, mass selber 0,8 bis 1,8 Prozent fehlerhafter Formelzellen und fand dennoch in 16 von 25 Tabellen bestätigte Fehler (Powell, Baker und Lawson 2009). Beide Zahlen zeigen in dieselbe Richtung: Handarbeit in Tabellen produziert Fehler, oft genug, dass sich das Ablösen der Handarbeit erfahrungsgemäss rechnet. Wohin abgelöst wird, sagt keine der beiden.
«Die Frage ist nicht, welches Werkzeug besser ist, sondern ob am Ende ein Dokument stehen soll oder eine Plattform.»
Die Lizenz braucht, wer liest
In Offerten steht dieser Punkt erfahrungsgemäss weit hinten: Er betrifft nicht das Bauen, sondern das Lesen. Mit einer kostenlosen Lizenz erstellt eine Person Berichte nur für sich selbst. Und wer einen Bericht öffnen will, den jemand anders veröffentlicht hat, braucht ohne Premium-Kapazität selbst eine Pro-Lizenz – die lesende Person also, nicht nur die bauende (Microsoft 2026a). Es gibt damit zwei Kostenarten: Lizenzen je Person und Kapazität je Umgebung.
Der zweite Weg löst das nicht von selbst. Mit Premium Per User teilen Sie nur mit Personen, die ebenfalls PPU haben, ausser der Inhalt liegt in einem Arbeitsbereich auf Premium-Kapazität – und ein PPU-Arbeitsbereich ist ausdrücklich nicht dasselbe wie ein Arbeitsbereich auf Premium-Kapazität (Microsoft 2026a). Die Schwelle steht präzise in der Dokumentation: Erst ab der Kapazitätsgrösse F64 dürfen Personen mit kostenloser Lizenz und Betrachterrolle Inhalte ansehen, darunter braucht jede lesende Person Pro, PPU oder eine Testlizenz (Microsoft 2026b).
Dazu kommt, wer nicht im Haus sitzt. Externe erhalten Zugang über eine Einladung als Gastkonto in Ihrem Verzeichnis und müssen sich anmelden; private Adressen gelten dann als soziale Identität und können die mobilen Apps nicht nutzen, und einladen darf nur, wer selbst Pro oder PPU hat (Microsoft 2026c). Einen Weg ohne Nutzerlizenz fürs Lesen gibt es: Auf dem Power BI Report Server braucht nur das Veröffentlichen eine Pro-Lizenz – lizenziert wird er dafür nach Kernen, über eine reservierte Fabric-Instanz ab F64 oder über SQL Server (Microsoft 2025b). Rechnen Sie also nicht das Bauen durch, sondern die Leserliste: Wie viele Namen stehen darauf, und wie viele davon lesen nur?
Eine Datei, die eine Datei bleibt
Auch aus dem Dienst heraus kommt man an ein Dokument: Berichte lassen sich als PDF exportieren, eine PDF-Seite je Berichtsseite, mit dokumentierten Grenzen – keine Berichte über 50 Seiten, keine über 250 MB, und wer ein geteiltes Dashboard von ausserhalb erhält, kann die zugehörigen Berichte nicht als PDF exportieren (Microsoft 2026d). Ein gewöhnlicher Bericht gibt zudem nur die sichtbaren Zeilen aus; jede Zeile einer langen Tabelle bringt der paginierte Bericht aufs Papier (Microsoft 2026e).
Warum das im Rechnungswesen zählt, steht im Gesetz. Geschäftsbücher und Buchungsbelege sind zehn Jahre aufzubewahren, gerechnet ab Ende des Geschäftsjahres, und dürfen elektronisch abgelegt werden, sofern sie jederzeit wieder lesbar gemacht werden können (OR 1911, Art. 958f). Die Geschäftsbücherverordnung verlangt dazu keine bestimmte Software, sondern Integrität, Verfügbarkeit und Lesbarkeit innert angemessener Frist; eine Migration ist erlaubt, aber zu protokollieren (GeBüV 2002, Art. 3, 6, 9 und 10).
Für genau diese Anforderungen ist eine einzelne Datei ein einfaches Mittel. Wie eine HTML-Datei gelesen wird, steht in einem offenen Standard – auch für Dokumente, die syntaktisch nicht korrekt sind (WHATWG 2026). Und umsetzen darf diesen Standard jeder: Das W3C führt seine Empfehlungen unter einer Patentpolitik, die für die Umsetzung lizenzgebührenfreie Zusagen verlangt (W3C 2025). Eine solche Datei öffnet jeder Browser, sie lässt sich verschicken und drucken, und zum Lesen braucht sie kein Konto.
Was der Unterhalt kostet, wenn sich der Kontenplan ändert
Hier ist Ehrlichkeit gegenüber beiden Wegen angebracht: Umsonst ist keiner. Ein neues Konto, eine neue Kostenstelle, eine geänderte Gliederung – das trifft das Datenmodell wie den gebauten Bericht, und in beiden Fällen muss jemand Hand anlegen. Wer eine Offerte vergleicht, sollte darum nicht nur nach dem Bauen fragen, sondern nach dem Ändern.
Auf der Plattformseite kommt der Betrieb dazu. Acht geplante Aktualisierungen pro Tag auf gemeinsam genutzter Kapazität und 48 auf Premium, PPU oder Fabric sind für einen Monatsbericht reichlich. Wichtiger ist der Weg zu den Daten: Liegt die Quelle im eigenen Haus, braucht jede geplante Aktualisierung ein Gateway, und ein Modell kann nur eine einzige Gateway-Verbindung nutzen (Microsoft 2026f).
Auch die Dokumentseite kostet etwas: Wer eine Datei ändern will, braucht jemanden, der das kann. Ist das nur ein Lieferant und wurde nichts übergeben, haben Sie keine Datei, sondern eine Abhängigkeit.
Wann Power BI die richtige Antwort ist
Es gibt Lagen, in denen die Plattform der bessere Kauf ist, und sie sind häufiger, als dieser Beitrag bisher klingt. Power BI ist ein ausgereiftes Produkt: eine grosse Anwenderschaft, Ausbildungswege, die man einkaufen kann, und eine Dokumentation, die Fragen beantwortet, statt sie offenzulassen – die Grenzen weiter oben stehen alle dort nachlesbar. Wer seine Lage in den folgenden Punkten wiedererkennt, muss nicht weitersuchen.
- Ihre Leserinnen und Leser wollen selber filtern und nachfragen, nicht bloss lesen. Ein festes Dokument ist dann die falsche Form – und Microsoft beschreibt den Dienst ausdrücklich für diesen Fall (Microsoft 2025a).
- Verschiedene Bereiche sollen verschiedene Ausschnitte derselben Daten sehen. Dafür ist die zeilenbasierte Sicherheit die saubere Lösung: ein Modell, Rollen mit Filterregeln, Zuordnung im Dienst (Microsoft 2025c).
- Die Datenmenge ist gross und die Zahlen sollen laufend aktuell sein. Die inkrementelle Aktualisierung lässt Modelle mit potenziell Milliarden von Zeilen wachsen, ohne dass jedes Mal alles neu geladen wird (Microsoft 2025d).
- Es gibt bereits ein Datenlager oder ein Lakehouse und ein Team, das die Datenarchitektur führt. Dann entscheidet ohnehin die bestehende Landschaft, nicht der Monatsbericht.
- Microsoft 365 läuft im Haus, und Benutzerverwaltung, Auditierung und Zugriff sollen dort bleiben, wo sie schon geregelt sind.
- Es gibt jemanden im Haus, der Modelle gerne baut und sie auch in zwei Jahren noch pflegen will. Das ist erfahrungsgemäss der Punkt, der am Ende entscheidet.
Der Serverstandort trägt die Entscheidung selten. Microsoft führt Switzerland North und Switzerland West als Regionen, in denen Power BI und die Fabric-Arbeitslasten verfügbar sind (Microsoft 2026g). Und rechtlich fragt die Schweiz nicht nach der Postleitzahl: Eine Bekanntgabe ins Ausland ist zulässig, wenn der Bundesrat einen angemessenen Schutz festgestellt hat oder geeignete Garantien vorliegen (DSG 2020, Art. 16); der EDÖB belässt die Verantwortung ohnehin beim verantwortlichen Unternehmen (EDÖB 2025).
Sechs Fragen, die die Entscheidung tragen
Wenn die Werkzeugfrage die falsche erste Frage ist, hilft diese Liste – sie lässt sich in einer Sitzung durchgehen:
- Wer liest den Bericht, und wie viele davon lesen nur? Die Lizenzfrage hängt an der Zahl der Lesenden.
- Verlässt der Bericht das Haus? Für Bank oder Revisionsstelle ist eine Datei ein anderer Vorgang als ein Zugang mit Anmeldung.
- Sieht der Bericht jeden Monat gleich aus, oder stellt jede Leserin eigene Fragen? Immer gleich heisst Dokument, eigene Fragen heissen Modell.
- Wo liegt der Bericht im zehnten Jahr? Lautet die Antwort «im Abschlussdossier», brauchen Sie etwas, das sich ablegen lässt.
- Was passiert im Monat, in dem sich der Kontenplan ändert? Wer passt an, wie lange dauert es, und steht das schriftlich?
- Wer kann den Bericht ändern, wenn Ihr Lieferant nicht mehr da ist? Kommt darauf nur ein Name, ist es keine Antwort.
Wo Skopa steht
Skopa ersetzt das ERP nicht und will es auch nicht. Ihr System der Aufzeichnung bleibt, wo es ist. Die Kette beginnt beim Export daraus, läuft über den Bericht und endet in der Ablage – diese Schicht wird automatisiert, in aller Regel als ein Dokument, das sich verschicken, drucken und zu den Jahresunterlagen legen lässt. Die Freigabe bleibt bei einem Menschen, und wie tief sie greift, entscheiden Sie.
Gebaut wird zum Übergeben: Am Ende gehören Ihnen die Berichte, die Vorlage und die dokumentierte Strecke. Und wenn die Prüfung ergibt, dass Ihre Lage nach einer Plattform verlangt, ist Power BI eine gute Antwort. Sie sollte nur am Ende der Frage stehen, nicht an ihrem Anfang.
Power BI und Microsoft sind Marken der Microsoft-Unternehmensgruppe. Dieser Beitrag gibt keine Microsoft-Inhalte wieder und steht in keiner Verbindung zu Microsoft.
Quellen
- DSG (2020) Bundesgesetz über den Datenschutz, SR 235.1, Art. 16 (Stand am 1. September 2023), Fedlex – Systematische Rechtssammlung des Bundes
- EDÖB (2025) Datenbearbeitungen in der Cloud (Cloud-Computing), edoeb.admin.ch
- GeBüV (2002) Geschäftsbücherverordnung, SR 221.431, Art. 3, 6, 9 und 10 (Stand am 1. Januar 2013), Fedlex – Systematische Rechtssammlung des Bundes
- Microsoft (2025a) The Power BI service for business users, Microsoft Learn
- Microsoft (2025b) What Is Power BI Report Server?, Microsoft Learn
- Microsoft (2025c) Row-level security (RLS) with Power BI, Microsoft Learn
- Microsoft (2025d) Incremental refresh and real-time data for semantic models, Microsoft Learn
- Microsoft (2026a) Power BI service features by license type, Microsoft Learn
- Microsoft (2026b) Understand Microsoft Fabric licenses and capacity, Microsoft Learn
- Microsoft (2026c) Distribute Power BI Content to External Guest Users with Microsoft Entra B2B, Microsoft Learn
- Microsoft (2026d) Export Power BI reports to PDF, Microsoft Learn
- Microsoft (2026e) What Are Paginated Reports in Power BI?, Microsoft Learn
- Microsoft (2026f) Data refresh in Power BI, Microsoft Learn
- Microsoft (2026g) Fabric region availability, Microsoft Learn
- OR (1911) Obligationenrecht, SR 220, Art. 958f (Stand am 1. Januar 2026), Fedlex – Systematische Rechtssammlung des Bundes
- Panko (2015) What We Don't Know About Spreadsheet Errors Today: The Facts, Why We Don't Believe Them, and What We Need to Do, Proceedings of the EuSpRIG 2015 Conference «Spreadsheet Risk Management» (arXiv:1602.02601)
- Powell, Baker und Lawson (2009) Impact of errors in operational spreadsheets, Decision Support Systems 47 (2009) 126–132, Elsevier
- W3C (2025) W3C Patent Policy (15 May 2025), World Wide Web Consortium
- WHATWG (2026) HTML Standard – 13.2 Parsing HTML documents, HTML Living Standard

