Das traditionelle Jahresbudget vermittelt eine trügerische Sicherheit. Im aktuellen Umfeld der Unsicherheit wird eine datengestützte, rollierende Liquiditätsplanung zur Notwendigkeit.
Das Budget für das Jahr 2026 wurde in den meisten Unternehmen im Herbst des Vorjahres verabschiedet. Es basiert auf Annahmen und Zielen, die damals plausibel erschienen. Die aktuelle Wirtschaftslage zeichnet jedoch ein anderes Bild. Trotz stabiler Leitzinsen herrscht Unsicherheit. Diese Diskrepanz macht eine starre Budgetierung zur Gefahr für die Steuerung des Unternehmens. Eine effektive Liquiditätsplanung für KMU in der Schweiz erfordert heute mehr als einen Jahresplan. Sie verlangt eine an die Budgetierung bei Unsicherheit im Jahr 2026 angepasste Methode.
Die trügerische Stabilität des Jahresbudgets
Ein Budget ist ein zentrales Steuerungsinstrument. Es übersetzt die Unternehmensstrategie in finanzielle Ziele und dient als Massstab für die Leistungsmessung. Es legt Budgets für Abteilungen fest und kontrolliert die Ausgaben. Diese Funktion ist unbestritten und wichtig. Ein Budget ist jedoch kein Prognoseinstrument. Es stellt einen Plan dar, der auf einer Reihe von Annahmen zu einem bestimmten Zeitpunkt beruht.
In Phasen stabilen Wirtschaftswachstums und vorhersehbarer Marktbedingungen funktioniert dieser Ansatz gut. Abweichungen vom Plan sind meist gering und können durch operative Massnahmen korrigiert werden. Die jährliche Budgetierung bietet einen klaren Rahmen und schafft Verbindlichkeit in der Organisation. Die Finanzabteilung kann sich auf die Kontrolle der Einhaltung des Budgets konzentrieren.
Das aktuelle Umfeld ist nicht stabil. Die wirtschaftliche Stimmung unter Schweizer KMU ist 2026 auf den tiefsten Stand seit 2021 gefallen (Unternehmen NZZ 2026). Geopolitische Risiken, unsichere Handelspolitik und administrative Hürden belasten die Aussichten. Diese Faktoren waren bei der Erstellung des Budgets 2026 kaum in ihrem vollen Ausmass absehbar. Das Budget veraltet dadurch schneller als üblich. Es entsteht eine wachsende Lücke zwischen der geplanten und der tatsächlichen Entwicklung.
Seitwärtsbewegung: Warum stabile Zinsen nicht Entwarnung bedeuten
Die Schweizerische Nationalbank hält den Leitzins stabil. Für viele Finanzverantwortliche mag dies wie ein Signal der Beruhigung wirken. Stabile Finanzierungskosten erleichtern die Kalkulation und Planung von Investitionen. Diese Stabilität ist jedoch für sich genommen kein Indikator für eine gesicherte konjunkturelle Entwicklung. Sie ist vielmehr eine Reaktion auf ein komplexes und fragiles Gleichgewicht.
Die OECD prognostiziert für die Schweiz in den Jahren 2026 und 2027 eine tiefe Inflationsrate von jeweils 0,6 % (Moneycab 2026). Dies deutet auf einen geringen Teuerungsdruck hin. Gleichzeitig macht es die Wirtschaft anfällig für externe Preisschocks, etwa bei Energie oder Rohstoffen. Solche unvorhergesehenen Ereignisse können die Kostenbasis eines Unternehmens schnell und empfindlich treffen. Die im Budget hinterlegten Margen geraten unter Druck.
Die Kombination aus tiefem Wachstum, externen Risiken und gedämpfter Stimmung bei den KMU (Unternehmen NZZ 2026) schafft eine gefährliche Seitwärtsbewegung. Die grossen Indikatoren bewegen sich kaum, doch unter der Oberfläche nehmen die Risiken zu. Ein statisches Jahresbudget kann diese Dynamik nur unzureichend abbilden. Es wird zum Rückspiegel, der eine Sicherheit suggeriert, die in diesem Umfeld trügerisch sein kann. Wichtige Entscheidungen zur Liquiditätssteuerung basieren so auf veralteten Daten.
Vom Jahresbudget zur rollierenden Liquiditätsplanung
Die Lösung liegt nicht darin, die Planung vollständig aufzugeben. Sie liegt in der Ergänzung des statischen Budgets durch einen dynamischen Prozess. Ein rollierender Forecast ist ein solches Instrument. Er schaut nicht auf ein festes Kalenderjahr, sondern auf einen konstanten Zeithorizont in die Zukunft, zum Beispiel auf die nächsten 12, 18 oder 24 Monate.
Dieser Forecast wird in regelmässigen Abständen aktualisiert, typischerweise monatlich oder quartalsweise. Mit jeder Aktualisierung wird der Prognosezeitraum wieder auf die volle Länge ausgedehnt. Der Prozess veranlasst die Finanzabteilung und das Management, die ursprünglichen Annahmen des Budgets kontinuierlich zu überprüfen. Dabei werden die Annahmen auf Basis der neusten verfügbaren Ist-Zahlen und Markteinschätzungen angepasst.
Ein rollierender Forecast kann helfen, die Lücke zwischen der strategischen Jahresplanung und dem operativen Tagesgeschäft zu schliessen. Er macht die Kette vom ERP-Export über die Analyse bis zum Management-Report flexibler. Die wesentlichen Unterschiede zum traditionellen Budget lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Zeithorizont: Das Budget hat einen festen Endpunkt, meist den 31. Dezember. Der Forecast behält einen konstanten Zeithorizont bei, zum Beispiel die nächsten 18 Monate.
- Aktualisierung: Das Budget wird einmal jährlich erstellt. Der Forecast wird periodisch, zum Beispiel monatlich, mit den neusten Ist-Zahlen und Erwartungen aktualisiert.
- Fokus: Das Budget konzentriert sich auf die Zuteilung von Ressourcen und die Kostenkontrolle. Der Forecast fokussiert auf die Vorausschau der Liquidität und die frühzeitige Erkennung von Abweichungen.
- Detaillierungsgrad: Das Budget ist oft auf Kontoebene sehr detailliert. Ein Forecast kann auf einer aggregierteren Ebene arbeiten, um agil und übersichtlich zu bleiben.
Praktische Schritte zur Implementierung eines rollierenden Forecasts
Die Einführung eines rollierenden Forecasts bedeutet nicht, bestehende Systeme wie das ERP zu ersetzen. Der Prozess baut auf den Daten auf, die im Unternehmen bereits vorhanden sind. In vielen KMU wird die Kette der Datenverarbeitung in Excel abgebildet. Ein Forecast-Modell kann ebenfalls in Excel aufgebaut werden, ohne sofort grosse Investitionen in neue Software zu erfordern.
Der erste Schritt ist die Identifikation der wesentlichen Treiber. Welche wenigen, aber entscheidenden Faktoren bestimmen den Umsatz, die Kosten und damit den Cashflow? Dies können Auftragseingänge, die Auslastung der Produktion, Rohstoffpreise oder das Zahlungsverhalten der Kunden sein. Die Konzentration auf diese Treiber hält das Modell schlank und verständlich.
Der zweite Schritt ist die Definition eines klaren und einfachen Prozesses. Wer liefert die Informationen für die Treiber? Wer ist für die Aktualisierung des Modells verantwortlich? In welchem Rhythmus wird der Forecast erstellt und mit dem Management besprochen? Verbindlichkeit und Regelmässigkeit tragen wesentlich zum Erfolg bei.
Das Ziel ist nicht eine punktgenaue Vorhersage der Zukunft. Das ist unmöglich. Das Ziel ist eine verbesserte Grundlage für unternehmerische Entscheidungen. Ein guter Forecast zeigt potenzielle Liquiditätsengpässe oder -überschüsse frühzeitig auf. Er ermöglicht es dem Management, proaktiv zu handeln, anstatt nur auf bereits eingetretene Ereignisse zu reagieren.
Was Sie diesen Monat tun können
Sie müssen nicht den gesamten Budgetprozess sofort umstellen. Beginnen Sie mit einem einfachen, aber wirkungsvollen Instrument: einer kurzfristigen Liquiditätsplanung. Diese Methode wird auch als 13-Wochen-Cashflow-Forecast bezeichnet.
Nehmen Sie Ihre aktuellen liquiden Mittel als Ausgangspunkt. Listen Sie die wesentlichen erwarteten Einzahlungen für die kommenden 13 Wochen auf. Berücksichtigen Sie dabei die offenen Debitoren und die durchschnittlichen Zahlungsfristen. Stellen Sie diesen die erwarteten Auszahlungen gegenüber, wie Löhne, Mieten, Lieferantenrechnungen und Steuern.
Aktualisieren Sie diese einfache Übersicht wöchentlich. Vergleichen Sie die prognostizierten Zahlen der Vorwoche mit den tatsächlich eingetretenen Cashflows. Diese Abweichungsanalyse ist wertvoll. Sie schärft Ihr Verständnis für die Liquiditätsdynamik Ihres Unternehmens und kann die Prognosequalität über die Zeit verbessern.
Dieser Prozess schafft eine solide, datengestützte Basis. Er versetzt Sie in die Lage, fundierte Gespräche mit der Geschäftsleitung, dem Verwaltungsrat oder den Banken zu führen. Sie können frühzeitig aufzeigen, wo Handlungsbedarf besteht, und Massnahmen einleiten, bevor ein Problem kritisch wird.
Microsoft und Excel sind eingetragene Marken der Microsoft Corporation.
Quellen
- Moneycab (2026) OECD hebt Wachstumsprognose für die Schweiz deutlich an, Moneycab
- Unternehmen NZZ (2026) NZZ-KMU-Barometer 2026: Pessimistische wirtschaftliche Aussichten und strategische Defizite bei Schweizer KMU, NZZ

