In unsicheren Zeiten ist die grösste Gefahr für die Finanzabteilung nicht eine falsche Prognose, sondern die schlechte Datenqualität, auf der sie beruht. Prozessautomatisierung ist weniger ein Effizienz-Tool als eine Investition in die Verlässlichkeit der eigenen Zahlen.
Die wirtschaftliche Unsicherheit nimmt zu. Anfragen von Geschäftsleitung, Verwaltungsrat und Banken werden häufiger und kurzfristiger. Finanzabteilungen reagieren darauf oft mit Anpassungen bei Budgets und Prognosen. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch tiefer. Es geht um die Qualität der Finanzdaten, die als Grundlage für diese wichtigen Entscheidungen dienen. Eine mangelhafte Finanzdatenqualität bei Unsicherheit ist ein stilles, aber erhebliches unternehmerisches Risiko. In solchen Zeiten wird die nachweisbare Verlässlichkeit der eigenen Zahlen zu einem entscheidenden strategischen Vorteil.
Die unsichtbare Gefahr: Mangelhafte Datenqualität
Jeder Monatsabschluss kennt die manuellen Schritte. Daten werden aus dem ERP-System exportiert und in Excel oder anderen Werkzeugen weiterverarbeitet. Bei diesen Übertragungen können Fehler entstehen. Eine Zelle kann falsch kopiert, eine Formel versehentlich überschrieben, eine Verknüpfung zu einer alten Datei unbemerkt bleiben. Einzeln betrachtet sind diese Fehler oft unbedeutend. In der Summe können sie jedoch das Ergebnis verzerren und zu falschen unternehmerischen Schlüssen führen.
Diese Komplexität in der Finanzberichterstattung ist ein eigenständiger Risikofaktor. Komplexität entsteht durch viele manuelle Eingriffe, unklare Prozessschritte und die Konsolidierung von Daten aus verschiedenen Quellen. Eine Studie hat gezeigt, dass eine hohe Komplexität ein wesentlicher Prädiktor für betrügerische Finanzberichterstattung sein kann (doi.org 2024a). Wo Prozesse unübersichtlich sind, wächst die Angriffsfläche für Fehler – und im schlimmsten Fall für Manipulationen.
In einem stabilen Marktumfeld lassen sich solche Ungenauigkeiten möglicherweise tolerieren. Es bleibt mehr Zeit für die Kontrolle und Korrektur. In volatilen Phasen ist das anders. Entscheidungen müssen schneller getroffen werden, oft auf der Basis von vorläufigen Zahlen. Der Druck auf die Finanzabteilung steigt. Eine fehlerhafte Datengrundlage kann dann zu falschen Schlüssen mit weitreichenden Konsequenzen führen. Das Vertrauen der Anspruchsgruppen in die Finanzabteilung kann dadurch nachhaltig beschädigt werden.
Digitale Transformation als Antwort auf Unsicherheit
Die Antwort auf diese Herausforderung ist eine systematische Verbesserung der Prozessqualität. Die digitale Transformation von Finanzprozessen ist hierfür der entscheidende Hebel. Dabei geht es nicht darum, das bewährte ERP-System zu ersetzen. Es geht um die Digitalisierung und Automatisierung der Prozesse, die um das ERP herum existieren – die Kette vom Datenexport bis zum finalen Bericht.
Eine aktuelle Untersuchung bestätigt diesen Zusammenhang eindrücklich. Die digitale Transformation hat einen positiven und statistisch signifikanten Effekt auf die Qualität der Buchhaltungsinformationen (doi.org 2024a). Die Studie beziffert diesen Effekt mit einem Koeffizienten von 0.596. Automatisierte und digitalisierte Prozesse führen also nachweislich zu besseren, verlässlicheren Daten.
Besonders relevant ist dieser Effekt in einem instabilen Geschäftsumfeld. Die gleiche Studie zeigt, dass die positive Wirkung der digitalen Transformation bei zunehmender Unsicherheit noch stärker werden kann (doi.org 2024a). Gerade wenn das Umfeld schwierig wird, können sich Investitionen in die Datenqualität am meisten auszahlen. Ein robustes Berichtswesen wird zum Stabilitätsanker für das gesamte Unternehmen.
Die Verbesserung der Informationsqualität wird durch mehrere Faktoren erreicht. Digitale Prozesse erhöhen die Transparenz. Jeder Schritt ist dokumentiert und nachvollziehbar. Sie reduzieren die Informationsasymmetrie, da alle Beteiligten auf derselben, geprüften Datengrundlage arbeiten. Gleichzeitig können klare, automatisierte Regeln opportunistisches Verhalten des Managements einschränken (doi.org 2024a). Die Zahlen werden objektiver und belastbarer, was die Grundlage für eine gute Unternehmensführung stärkt.
Konservative Rechnungslegung als Stabilitätsanker
Eine hohe Datenqualität ist die Voraussetzung für eine konsequente Anwendung des Vorsichtsprinzips. In der Theorie ist die konservative Rechnungslegung, also die schnellere Erfassung von Verlusten als von Gewinnen, ein Grundpfeiler der Buchführung. In der Praxis können unsaubere Daten und manuelle Prozesse die Umsetzung erschweren.
Automatisierte Prozesse können die Anwendung des Vorsichtsprinzips unterstützen. Ein System kann so gestaltet werden, dass es negative Abweichungen, wie Kostenüberschreitungen oder sinkende Margen, sofort und konsistent meldet. Die «schlechten Nachrichten» können so systematisch früher erkannt werden.
Dies kann einen messbaren, stabilisierenden Effekt haben. Eine Studie, die makroökonomische Daten analysierte, fand heraus, dass eine bedingt konservative Rechnungslegung einen negativen und statistisch signifikanten Effekt auf die wirtschaftliche Volatilität haben kann (doi.org 2023). Anders gesagt: Eine vorsichtige und qualitativ hochstehende Berichterstattung kann zur Stabilität beitragen, weil sie Überraschungen reduzieren kann.
Dieser Effekt zeigt sich auch in der Prognosegenauigkeit. Die gleiche Untersuchung wies nach, dass eine konservative Rechnungslegung auch die Prognosefehler des Bruttoinlandsprodukts signifikant senken kann (doi.org 2023). Übertragen auf ein Unternehmen bedeutet dies: Bessere und verlässlichere historische Daten sind die Grundlage für genauere und damit nützlichere Prognosen. Das Prinzip «Garbage in, garbage out» gilt hier uneingeschränkt.
Automatisierung: Der Weg zu verlässlichen Prozessen
Der konkrete Weg zu höherer Datenqualität führt über die Automatisierung der wiederkehrenden Abläufe. Skopa automatisiert die Excel-Schicht, die viele Unternehmen um ihr ERP-System herum aufgebaut haben. Wir ersetzen dabei nicht das ERP-System selbst, sei es SAP, Abacus, bexio oder eine andere Lösung. Wir stabilisieren und automatisieren die Kette vom Datenexport über wiederkehrende Berichte bis zu den finalen Meldungen an Banken, Behörden oder den Verwaltungsrat.
Durch die Automatisierung können fehleranfällige manuelle Schritte wie das Kopieren und Einfügen von Daten eliminiert werden. Die Prozesse werden standardisiert, dokumentiert und auf Knopfdruck wiederholbar. Dies reduziert nicht nur die Komplexität, die als Risikofaktor gilt (doi.org 2024a). Es schafft auch wertvolle Zeit für die Analyse der Zahlen anstatt für deren Aufbereitung.
Zudem schaffen automatisierte Systeme die Möglichkeit, Anomalien systematisch zu erkennen. Eine Untersuchung zur Betrugserkennung zeigte, dass ein Algorithmus des Typs Autoencoder Neural Network eine Genauigkeit von 93 % bei der Identifikation von Unregelmässigkeiten in Finanzdaten erreichen konnte (doi.org 2024a). Solche Systeme können Muster erkennen, die dem menschlichen Auge bei der manuellen Prüfung entgehen. Dies erhöht die interne Kontrolle.
Auch die Entwicklung neuer Werkzeuge wie Microsoft 365 Copilot unterstreicht die Bedeutung von strukturierten Daten. Diese Assistenten sind keine magischen Werkzeuge, die aus Chaos Ordnung schaffen. Ihre Nützlichkeit hängt direkt von der Qualität und Struktur der zugrundeliegenden Daten ab. Funktionen zur Verbesserung der Zugriffssteuerung und Einhaltung von Vorschriften zeigen, dass Governance ein zentrales Thema bleiben kann (learn.microsoft.com 2026).
Was Sie diesen Monat tun können
Eine Verbesserung der Datenqualität beginnt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme. Es ist nicht notwendig und selten sinnvoll, sofort das gesamte Berichtswesen umzustellen. Ein fokussierter Ansatz ist wirksamer. Beginnen Sie mit einem einzelnen, aber wichtigen Prozess, um konkrete Erfahrungen zu sammeln.
- Identifizieren Sie einen wiederkehrenden Bericht, der regelmässig manuelle Korrekturen erfordert und für wichtige Entscheidungen genutzt wird. Das kann ein monatliches Management-Reporting, eine Liquiditätsplanung oder ein Projekt-Controlling sein.
- Dokumentieren Sie den gesamten Prozess schriftlich und lückenlos. Klären Sie dabei: Wer liefert welche Daten? Welche manuellen Anpassungen werden vorgenommen? Wer prüft und genehmigt das Ergebnis?
- Messen Sie die Zeit, die jeden Monat für die Erstellung, Abstimmung und Korrektur dieses Berichts aufgewendet wird. Stoppen Sie die Netto-Arbeitszeit und berücksichtigen Sie auch die Zeit für Rückfragen und Korrekturschlaufen.
- Prüfen Sie, welche dieser Schritte mit bereits vorhandenen Werkzeugen vereinfacht werden könnten. Oft ist Power Query, das in jeder neueren Excel-Version enthalten ist, ein mächtiges Werkzeug, um die Datenaufbereitung zu stabilisieren.
Diese Analyse schafft eine klare, faktenbasierte Grundlage. Sie zeigt auf, wo die grössten Risiken für die Datenqualität liegen und wo der Hebel für eine Prozessverbesserung am grössten ist. Auf dieser Basis können Sie fundierte Entscheidungen für die nächsten Schritte treffen und die Kontrolle über Ihre Daten zurückgewinnen.
Microsoft, Excel, Power Query, Microsoft 365 Copilot, SAP, Abacus und bexio sind eingetragene Marken ihrer jeweiligen Eigentümer.
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Quellen
- doi.org (2024a) Digital Transformation and Accounting Information Quality: The Moderating Role of Environmental Uncertainty — Accounting, Finance and Computational Intelligence, doi.org
- doi.org (2023) Analyzing the Moderating Role of Financial Reporting Quality in Iran’s Economic Volatility: Conditional Conservatism in the Face of Oil and Inflationary Shocks — Accounting, Finance and Computational , doi.org
- doi.org (2024a) Detection of Fraud in Financial Statements Based on Managerial Tone Analysis, Financial Reporting Complexity, and Anomaly Detection Algorithms — Journal of Management and Business Solutions, doi.org
- learn.microsoft.com (2026) Microsoft 365 Copilot, Versionshinweise, learn.microsoft.com

